Eine Erfolgsgeschichte

Die Bergkirche aus der Luft

Das Wahrzeichen des Stadtteils Freiburg-Opfingen ist die unter Denkmalschutz stehende Bergkirche, die weit in die Landschaft hinausstrahlt. Sie wurde in dieser Form 1778 errichtet. Nach über hundert Jahren und vielen kleinen Renovierungen wurde 1985 eine größere Instandsetzung erforderlich, zumal der alte Kirchturm sich in dem Jahre – bedingt durch erhebliche Regenmengen - vom Kirchenschiff zu lösen drohte. 1985 wurde deshalb der „Verein zur Erhaltung der Historischen Bergkirche Opfingen e.V.“ gegründet.


Instandsetzungsarbeiten sind teuer, bergen sie doch gerade bei alten Bauten manche Überraschungen. So beschlossen der damalige Ortschaftsrat unter Führung von Ortsvorsteher Rudolf Höfflin und der Kirchengemeinderat unter Leitung von Pfarrer Karlheinz Rinklin die Gründung eines "Kirchenbauvereines". Es gab keine Vorbilder, nur in Offenburg wurde seinerzeit ein "Förderverein" gegründet. In einem Schreiben des "Evangelischen Oberkirchenrates Karlsruhe" vom 25. Februar 1985 zur vorgesehenen Gründung heißt es unter anderem, man halte die vorgesehene Vereinsgründung für entbehrlich, da "Zweck und Aufgaben" eines solchen Vereines auch von der Kirchengemeinde erfüllt werden könnte. Trotz der nicht gerade aufmunternden Zeilen aus Karlsruhe wurde am 29. März 1985 um 20.30 Uhr zur Gründungsversammlung des "Vereins zur Erhaltung der Historischen Bergkirche Opfingen" ins Opfinger Rathaus eingeladen. Immerhin sollte die bauliche Instandsetzung der Bergkirche etwa 400.000 DM kosten. Die gesamte Dachkonstruktion musste überprüft und die Dachdeckung insgesamt erneuert werden. Ebenso der Außenputz. Hinzu kommt, dass die Verteilung der Baupflichten zwischen der evangelischen Kirchengemeinde und der Stadt Freiburg als Rechtsnachfolgerin der Gemeinde Opfingen besonders geregelt sind. So hat die Stadt Freiburg den Turm allein, das Kirchengebäude hingegen zu 5/7 Anteilen zu unterhalten. Nach einer Aussprache und kleinen Änderungen wurde die vom Ortsvorsteher Höfflin vorgetragene Satzung von den 36 Personen der Gründungsversammlung einstimmig angenommen und anschließend erklärten alle Anwesenden schriftlich ihre Mitgliedschaft in dem Verein. Als Jahresbeitrag wurden 30 DM ( heute 16 €) festgesetzt. Zum 1. Vorsitzenden wurde Helmut Beutenmüller, zum 2. Vorsitzenden Dr. Dieter Kroll gewählt. Zur Freude aller Anwesenden erklärte Pfarrer Rinklin, der Kirchengemeinderat habe beschlossen, den Reingewinn des Gemeindefestes von 1984 – immerhin 3000 DM – dem neuen Verein zur Verfügung zu stellen. Am Ende der Versammlung hatte der Verein bereits 39 Mitglieder und während des anschließenden Beisammenseins im Gasthaus Blume traten noch weitere 3 Personen dem Verein bei, so dass schließlich am Gründungstag bereits 42 Mitglieder gezählt werden konnten. Seit dem sind 32 Jahre vergangen, in denen viel erreicht wurde. Die Gründung zeigte Wirkung. Es kamen Mitglieder hinzu und durch Beiträge und Spenden Geld in die Kasse des Vereins. Eine Unterschriftensammlung ergänzte die Bemühungen und überzeugten einen Teil der Fraktionen des Gemeinderates Geld für die Sanierung in den städtischen Haushalt einzustellen. Die Initiative Opfinger Bürger trug Früchte. So konnte bald die Instandsetzung des Kirchengebäudes beginnen. Die Kirche wurde umfassend renoviert, erhielt in Teilen eine neue Dachkonstruktion und eine neue Dachdeckung aus Biberschwänzen. Auch der Außenputz wurde saniert. Um das Gebäude wurde eine Drainage gelegt, um Sickerwasser von den Fundamenten fernzuhalten. 20% (66.000 DM) dieser Baukosten wurden vom Kirchenbauverein getragen. Für die sich anschließende Innenrenovierung, die insgesamt 287.000 DM kostete, wurden 67.000 DM vom Kirchenbauverein aufgebracht.
Der laut Satzung überkonfessionell und überparteiliche Verein hat heute etwa 130 Mitglieder. Nach Helmut Beutenmüller war es Frieder Brand, der den Kirchenbauverein über 15 Jahre als 1. Vorsitzender führte, erfolgreich um die Spendenbereitschaft der Bürger und Bürgerinnen warb und somit die Grundlage für weitere Erhaltungsmaßnahmen geschaffen hat. Frieder Brand trat 2009 aus Altersgründen zurück. Als Nachfolgerin wurde Frau Christa Fünfgeld einstimmig zur 1. Vorsitzenden gewählt. Durch Mitgliedsbeiträge und Spenden, aber auch durch andere Aktivitäten wie die beliebten Kirchenfeste "Lustig ist`s bei den Kirchenleuten", die immer regen Zulauf hatten, wurden für die Erhaltung der Historischen Bergkirche bis Ende 2009 insgesamt über 150.000 € (ca 294.000 DM) gesammelt und 121. 000 € für die Erhaltung der Bergkirche ausgezahlt.
Auf Anregung des Kirchenbauvereins wurde im Jahre 2008 die alte schmale Eingangstreppe der Kirche abgerissen und durch eine breite, einladende aus Granitstufen bestehende Treppenanlage ersetzt. Auch diese Stufen haben eine eigene Historie. Hatten sie doch zuvor als Eingangstufen des Hotels Rheingold in der Eisenbahnstr. in Freiburg gedient. Möglich wurde dies auch durch Mittel, die aus dem Nachlass des Opfinger Bürgers Helmut Dieterle dem Verein zuflossen.
Der Verein zur Erhaltung der Historischen Bergkirche Opfingen ist eine Erfolgsgeschichte und zeigt, welche Kraft bürgerliches Engagement entwickeln kann, wenn es gilt, Denkmale für kommende Generationen zu bewahren. Die Einnahmen des Vereins dienen ausschließlich der Erhaltung des Kulturdenkmales. Allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich für diese Aufgabe eingebracht haben, sei ganz herzlich gedankt. Und natürlich sind alle Bürger, die Mitglied werden wollen, ebenso herzlich willkommen!